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Schweiz: Gleich viele Kalorien wie vor 50 Jahren
Dienstag, 07. Februar 2012
- Die Schweizerinnen und Schweizer nehmen nicht mehr Kalorien zu sich als vor 50 Jahren. Das zeigt eine Studie von Forschern der Universität Lausanne. Allerdings steht immer mehr Fettiges auf dem Speiseplan.
Fettleibigkeit ist in den letzten Jahrzehnten in industrialisierten Ländern zu einer Art Epidemie geworden. In der Schweiz allerdings ist der Anteil Menschen mit Übergewicht verglichen mit anderen Staaten relativ tief. Über die Gründe dafür zerbrechen sich Forscher schon länger den Kopf.
Forscher um Pedro Marques-Vidal von der Universität und dem Universitätsspital Lausanne haben nun herausgefunden, dass die Ernährungsgewohnheiten eine wichtige Rolle dabei spielen. Möglich wäre laut dem Forscher sogar, dass das Nein zu einem EU-Beitritt die Schweiz zu einem gewissen Grad schlank gehalten hat.
Mehr Fett
Marques-Vidal und seine Kollegen verglichen, wie sich die tägliche Kalorienzufuhr von Menschen in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien von 1961 bis 2007 entwickelt hat. Es stellte sich heraus, dass Schweizerinnen und Schweizer heute eher etwas weniger Kalorien zu sich nehmen als vor 50 Jahren.
Demgegenüber stieg der Kalorienkonsum in unseren Nachbarländern merklich an, wie die Forscher im Fachmagazin "European Journal of Clinical Nutrition"
berichten. Dies könne miterklären, weshalb der Anstieg der Übergewichtsrate in der Schweiz im europäischen Vergleich eher moderat ausgefallen sei, sagte Marques-Vidal.
Allerdings fanden die Forscher auch hierzulande einige bedenkliche Veränderungen der Ernährungsgewohnheiten. So ist der Anteil aufgenommener Kalorien aus Proteinen und vor allem aus Fetten angestiegen - auf Kosten des Anteils an Kohlenhydraten. Ähnliche Entwicklungen sind auch in Frankreich oder Italien zu beobachten.
Gesündere Öle
1961 nahm eine Person in der Schweiz noch durchschnittlich 10,6 Prozent der Kalorien in Form von Proteinen auf, 33,5 Prozent als Fett, 50 Prozent als Kohlenhydrate und 5,9 Prozent als Alkohol. 2007 beliefen sich die Anteile auf
10,8 Prozent (Protein), 40,3 Prozent (Fett), 43,7 Prozent (Kohlenhydrate) und
5,2 Prozent (Alkohol).
Laut den Forschern ist damit der Fettanteil in der Nahrung zu hoch: Empfohlen wären 30 Prozent. Wichtig wären mehr Kohlenhydrate, die sich zum Beispiel in Getreiden und Früchten finden. Diese Entwicklung könne der Gesundheit Schaden zufügen, sagte Marques-Vidal auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.
Verbessert hat sich aber der Ölkonsum: Die Bevölkerung verwendet immer mehr gesündere Öle mit ein- und mehrfach ungesättigten Fettsäuren wie Sonnenblumenöl und Olivenöl. Stark gesunken ist dagegen der Verbrauch des an mehrfach ungesättigten Fettsäuren armen Erdnussöls.
Gleichmacher EU?
Laut Marques-Vidal ist es sogar möglich, dass das Nein zum EU-Beitritt die Schweiz bis zu einem gewissen Grad vor dem "ungesunden europäischen Essen" geschützt hat. In der EU hätten sich nämlich die Ernährungsgewohnheiten in den letzten Jahren immer mehr angeglichen.
So werde in den meisten Mittelmeerländern die als gesund bekannte mediterrane Küche immer weniger praktiziert. In Portugal zum Beispiel wurde laut Marques- Vidal vor 1986 viel Fisch und viel Olivenöl gegessen, dafür praktisch kein Fleisch. Nach dem EU-Beitritt sei das Fleischangebot im Land förmlich explodiert.
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